Frau auf Partnersuche

Wenn man sich als Frau in einer Partnerbörse auf Partnersuche begibt, so kann man schon einiges erleben. Wahrscheinlich werden mir jetzt einige Geschlechtsgenossinnen beipflichten. Auch die Vielfalt der erhaltenen Zuschriften ist hier eine Erwähnung wert. In meinem Fall reichte das Spektrum der Inhalte von ‚Hallo Süße', über ausführliche Lebensläufe bis zu wissenschaftlichen Abhandlungen.

Was mir noch aufgefallen ist und was eigentlich gar nicht so verwunderlich ist. Die Art der Zuschriften richtet sich überwiegend nach dem hochgeladenen Foto. Stellt man sich als Frau mit offenen Haaren, vielleicht auch noch schulterfrei auf seinem Foto dar, so mehren sich Zuschriften der ersten Art (‚Hallo Süße').  Wählt man dagegen ein Foto mit hochgeschlossener Kleidung und züchtig zurückgestecktem Haar, so kann man eher förmliche und ausführliche Schreiben erwarten.

Weniger abhängig vom Foto, dafür umso mehr von der Zeitknappheit fällt die Reaktion aus, wenn man nicht alle Schreiben beantworten kann. Dann füllt sich das Postfach bald mit vorwurfsvollen Nachfragen, die manchmal an dringliche Anfragen oder an Mahnbriefe erinnern. Und nicht zu vergessen, die Beharrlichen, die keine höfliche Absage verstehen und die man nur durch den Ignorier-Knopf wieder los werden kann.

Aber wie soll man sich als Frau richtig in einer Partnerbörse verhalten?

Also ich finde es falsch, Zuschriften nicht zu beantworten, bloß weil der Schreiber auf seinem Profilfoto nicht aussieht wie George Clooney oder Brad Pitt (je nach Geschmack) und er sträflicherweise nichts von seiner Villa in einem Nobelbezirk berichtet hat. Ich weiß, es ist manchmal mühselig, aber ich denke jeder Gruß verdient auch einen Zurück-Gruß. Nicht anders sollte es bei einer Zuschrift in einer Kontaktbörse sein. Besser eine kurze Antwort, als keine.

Ausnahmen bildeten bei mir anzügliche Schreiben oder zu forsch geschriebene. So wie: Hallo Du. Oder ähnlich 'originelle' Sprüche. Wenn ich so etwas lesen musste, dann konnte auch ich nicht widerstehen und klickte gleich auf den Ignorieren-Knopf. In einer Partnerbörse wie ziel-partner.net ist das kein Problem. Zuschriften, bei denen ich erkannte, der Mann hat sich Mühe gegeben, dahinter steckt ein ehrlicher Mensch, aber laut Profil ist er absolut nicht mein Fall, beantwortete ich trotzdem, wenn auch nur mit wenigen Zeilen.

Überhaupt sollte man nicht voreilig jemanden abhaken, auch wenn das Profil und das Schreiben nicht gerade ein Hammer ist. Nicht jeder ist ein Meister der Worte und doch steckt hinter einer dürftigen Beschreibung vielleicht ein verlässlicher und treuer Gefährte.

Apropos dürftige Mitteilungen: Auch die Wissenschaft bestätigt es. Uns Frauen wurde eben ein besser ausgebildetes Sprachzentrum im Gehirn mitgegeben, was mir persönlich schon mehrmals zugutegekommen ist. Während die Männer in dieser Beziehung - zum Glück für uns Frauen - in dieser Eigenschaft nachhinken und eher den Telegrammstil bevorzugen. Aber Hand aufs Herz: Finden Sie als Frau einen Viel-Redner so toll? Kommt da nicht der Verdacht auf, der Typ möchte etwas verbergen oder sich anders darstellen, als er wirklich ist? Und auch: Schätzen wir nicht eher einen verständnisvollen Zuhörer, dem wir unsere Sorgen anvertrauen können?

Aber wieder zurück zu den Antwortschreiben: Angenommen Sie bekommen eine Zuschrift, an der Sie nichts auszusetzen haben, auch die Profilbeschreibung passt und das Foto sieht ebenfalls nicht so übel aus. Dann werden Sie dieses Schreiben wahrscheinlich interessierter und ausführlicher beantworten, als die manchmal einschläfernden 08/15 Briefe. Doch in so einem Fall, so sehe zumindest ich das, verlangt es die Vorsicht, so früh als möglich private Daten des Schreibers zu erfahren. Denn Sie wollen sich doch einen Mann nicht nur ausborgen, auf den zuhause bereits Frau und Kind warten. Und wenn ich das jetzt noch deutlicher ausdrücken darf: Wenn sich der Mann um die Angaben seiner persönlichen Daten herumdrückt und das Gespräch immer gleich auf andere Dinge umlenkt dann ist ein gesundes Misstrauen angebracht.

Ich persönlich bevorzugte immer Zuschriften, in denen der Mann ausführlich seine persönliche Verhältnisse darstellte, wo erkennbar war, dass er sich auch mit meinem Profil beschäftigt hat und er das Schreiben frei von unpassenden Anspielungen erotischer Art gelassen hat. Gegen witzige Einlagen hatte ich nichts, wenn sie nicht ironisch wirkten.

Nun fällt mir noch das Thema Standardtext ein: Eigentlich kann man es einen Mann nicht verübeln, wenn er sich eines Standardtextes bedient. Man muss sich in seine Situation versetzen. Er schreibt mehrmals mühevoll lange, persönlich abgefasste Briefe aber er kriegt keine Antworten zurück. Also wird er früher oder später auf den Gedanken kommen, Zeit zu sparen und sich einer rationelleren Methode zuzuwenden. Nämlich einen einheitlichen Text zu verwenden, den er gegebenenfalls leicht abändert.

Und ich denke, es fällt mir als Frau keine Perle aus der Krone, wenn ich auch dieses Schreiben kurz beantworte. Man sieht ja dann, was nachkommt. Kommt eine weitere nichtssagende Kurznachricht, dann war es das eben gewesen. Ändert der Mann aber die Form seiner Mitteilung, also strengt er sich mehr an und gibt auch mehr von sich preis, so ist meine Antwort unter Umständen keine Zeitvergeudung gewesen.

Bei diesem Thema fällt mir meine Kinderzeit ein. Vor dem Einschlafen hatte ich es gerne, wenn mir meine Mutter aus einem Märchenbuch vorlas. Und natürlich auch das Märchen vom Froschkönig. Wobei mir bei diesem Märchen die Wandlung vom Frosch zum Prinzen immer besonders gut gefallen hat. Jetzt, im Erwachsenenalter glaube ich zwar nicht mehr an Märchen, bin mir aber sicher, in Partnerbörsen passiert manchmal Ähnliches. So mancher Kontaktsuchende, der anfangs fälschlicherweise den Eindruck eines Frosches erweckt, wandelt sich bei näherem Kennenlernen in einen Prinzen.
Warum ich das jetzt schreibe? Nun, weil ich bereits meinen Prinzen gefunden habe, den auch ich nach seiner ersten Zuschrift für einen Frosch gehalten habe. Schön, nicht wahr? Aber trotzdem denke ich gerne noch an die spannende Zeit als Single in der Partnerbörse zurück.

Und wenn auch Sie Erlebnisse in einer Singlebörse hatten und diese hier mitteilen wollen dann schreiben Sie einfach:

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